Augsburger Allgemeine, 12.03.2019

Zu Gast bei Schumann

Klavier-Rezital mit Konstantin Lukinov

Ein quadratischer Raum, zentral im Lichtkegel der Konzertflügel, die Reihen der Zuhörer im Halbdunkel kreisförmig um die Mitte angeordnet: ein Raumbild voll Konzentration und Nähe. Am Flügel Konstantin Lukinov, 30-jähriger Pianist, gebürtig aus Moskau, lange zu Hause in Augsburg und München. "Hommage an Schumann" heißt das Programm. Es folgen zweieinhalb Stunden Schumann, ein gigantisches Vorhaben mit vier großen zyklischen Kompositionen: dem Carnaval op. 9, der Fantasie C-Dur op. 17, der Humoreske op. 20, und zuletzt den "Geistervariationen".
Was auch immer - die Formulierung "Lukinov spielt Schumann" trifft den Kern. Sie verweist auf die totale Identifikation des romantischen Komponisten mit seinem Werk. Ob es der qualvolle Liebesschmerz um Clara ist, wie in der Fantasie oder die Freude der Maske, Tanz und Koketterie im Carnaval bzw. der Humoreske - alles verweist auf den Schöpfer, ohne je nur vertonte Biografie zu sein.

Eine zweite Identifikation wurde im Laufe des Abends offenkundig: die des Interpreten mit Werk und Person des Komponisten. Hatte Lukinov die Fanfarenakkorde im Carnaval noch etwas zu hemdsärmelig angepackt, wurde sein Spiel danach immer differenzierter, reicher an Zwischentönen unter Ausnützung der vollen Klangpalette des Flügels. Auch die jähen Tempo- und Dynamikwechsel, geradezu bizzar in der Humoreske, gelangen immer überzeugender, von volltönenden Marschrhythmen bis zu feinsten, fast unhörbaren Klanggespinsten.

Die etwas theatralische Gestik nach donnernden Schlüssen, gehörte die auch zur Identifikation? Wer weiß schon, wie der junge Schumann agiert hat... Das oft minutenlange, schweigend-versunkene Warten vor der ersten Tastenberührung wirkte überzeugend, vor allem bei den "Geistervariationen", deren Thema der schon am Rande des Wahnsinns lebende Schumann angeblich aus dem Jenseits empfangen hat. Schumann-Lukinov behandelten die in den Variationen immer durchscheinende Melodie wie einen kostbaren Gegenstand, ohne jede virtuose Prätention, am Ende sanft ersterbend. Ein wunderbar ergreifender, stimmiger Schluss - dessen Wirkung der unersättliche Pianist mit einer hochvirtuosen Schumann-Zugabe fast zunichtegemacht hätte.

Gleichwohl ein denkwürdiger, mit Begeisterung aufgenommener Abend in Benedikt Riemanns (sic!) Konzertreihe "Augsburg Konzerte".

Augsburger Allgemeine, 22.11.2018

Das Klavier gibt den Ton an

Originelle „Petite Messe solennelle“

Gleich zu Beginn übernimmt das Klavier die Führung, mit markanten Bassoktaven und fast tänzerischen Rhythmen. Und es hat auch das letzte Wort: Lange nachdem das „Dona nobis pacem“ des Chores zart verklungen ist, führt das Klavier die leise Largo-Feierlichkeit fort und endet mit kräftigen Akkord-Schlägen. Von wenigen A-cappella-Sätzen abgesehen hat es die ganze Messe über das Sagen, und an Stelle des Offertoriums erklingt gar ein wunderschönes Klaviersolo.

Natürlich weiß man, dass die Verwendung von Piano (Konstantin Lukinov) und Harmonium (Peter Bader), das die harten Klavierakkorde sanft umhüllt, anstelle eines Orchesters nur ein „Notbehelf“ ist. Rossini hat die Messe für die kleine Privatkapelle eines Pariser Grafen komponiert, und dort gab es einfach zu wenig Platz. Ein Jahr nach der Uraufführung (1864) folgte auch eine Orchesterfassung, aber die meisten Rossini-Verehrer bevorzugen immer noch die originelle, intime Klanglichkeit der Urfassung.

Und so tonangebend wie das Klavier ist, so war bei der Aufführung der Messe im kleinen Saal des Kongress am Park durch einen Projektchor unter Christian Meister auch sein Spieler Konstantin Lukinov – leidenschaftlich engagiert, souverän und in enger Abstimmung mit dem Dirigenten. Dieser hatte seinen ausgewogen besetzten Kammerchor exzellent auf die klangliche und rhythmische Vielgestaltigkeit der Messe eingestimmt. Das Solistenquartett fügte sich nahtlos in das Klangbild ein, jeder auch mit einem Solobeitrag: Alexandra Steiner mit vogelleichtem Sopran in der Arie „O salutaris hostia“, Theresa Holzhauser (Alt) in bewegendem Wechselgesang mit dem Chor beim Agnus Dei, der helle, kräftige Bass von Tohru Igudchi (sic!) (Quoniam tu solus sanctus) und der kurzfristig eingesprungene Tenor Alexander Yudenikov (sic!), bei dessen grandios herausgeschmetterter Arie „Domine Deus“ sich eine imaginäre Opernbühne auftat.

Augsburger Allgemeine, 28.02.2018

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Ein Rebell an den Tasten

Der noch junge Pianist Konstantin Lukinov geht konsequent seinen eigenen Weg.

Schuberts Musik hört er gewissermaßen von innen, aus dem Empfinden des Komponisten heraus. „Ich spüre eine Klangwelle, da ist eine Reinheit, Klarheit, Schlichtheit, zugleich eine Verletzlichkeit und Heiligkeit“, schildert der Pianist Konstantin Lukinov seine herzliche Beziehung. Mit Schubert begann sein künstlerisches Erwachen („Als ich die Impromptus mit 15 spielte, ist in mir gleich etwas explodiert“), mit Schubert geht er als gereifter Pianist in die Konzertsäle. In seiner Wahlheimat Augsburg spielt der 28-Jährige am Samstag, 10. März, im Kongress am Park, natürlich Schubert.

Mit acht Jahren übersiedelte er mit seinen Eltern von Moskau nach Deutschland. Das Klavier hatte ihn damals bereits gepackt, mit fünf war er Eleve der Gnessin-Musikschule für besonders begabte Kinder. In jungen Jahren errang er zahlreiche Auszeichnungen. Am Gymnasium bei St. Stephan ging seine Ausbildung weiter. Mitten in der 11. Klasse setzte er alles auf die Karte Musik, brach die Schule ab und begann in Frankfurt das Studium bei Professor Lev Natochenny, dem „Meistermacher“ von Martin Stadtfeld, Evgenia Rubinova, Christopher Park… „Die Chemie stimmte, er ist eine tolle Künstlerpersönlichkeit. Es hätte eine steile Karriere kommen können“, sagt Lukinov.

Aber er war rebellisch. Nach dem Vordiplom ging er von Natochenny fort. „Irgendetwas in mir konnte sich nicht fügen.“ Lukinov wollte sich in kein Schema einpassen. „Mir wurde empfohlen, normaler zu spielen…“ Zwingender war jedoch, was künstlerisch aus ihm selbst kam. „Genau das ist es, warum ich mit Konstantin zusammenarbeite, weil er als Pianist ausbricht“, sagt sein Augsburger Konzertagent Benedikt Matthias Reimann. Sie hatten sich im Gymnasium kennengelernt, aber wieder aus den Augen verloren.

Denn sieben „wilde“ Jahre lang verzog sich Lukinov nach Moskau, studierte bei Ivan Sokolov am Tschaikowski Konservatorium und machte auch Jazz, Improvisation, Pop und Rock. „Danach hatte das Alte und Verklemmte keinen Platz mehr in mir.“ Jetzt tritt er als selbstbewusster Künstler auf die Bühne.

Dieses Jahr hat sich Lukinov, der seit Juni 2017 wieder in Deutschland lebt, allerhand vorgenommen. An zehn Projekten sei er beteiligt – unterschiedliche Sachen wie das Schubert-Programm, aber auch die Mozartwoche in Kloster Seeon, Bach, spanische Barockmusik und schließlich die Petite Messe solenelle von Rossini mit dem Vokalensemble Vox Augustana – zu hören in Mallorca wie in Augsburg.

Konzert Konstantin Lukinov spielt Schubert, Samstag, 10. März, 19.30 Uhr, Kongress am Park

Rezension Chopin Recital Augsburg, 20.07.2017

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"Klangfülle mit hohem Emotionspegel – Konstantin Lukinov fasziniert bei Chopin-Recital

Ein beeindruckendes Konzerterlebnis mit romantischer Klaviermusik von Frederic Chopin präsentierte der Pianist Konstantin Lukinov seinem Augsburger Publikum im Kongress am Park. Bereits beim ersten Stück, der Ballade in G-Moll, op. 23, äußerst virtuos dargeboten und ohne Härte interpretiert, sprang sofort der Funke auf die Zuhörer über.

Der junge Pianist mit Ausnahmetalent brillierte in all seinen Stücken durch technische Perfektion und überzeugte durch seine emotionale Interpretation: Herz und Leidenschaft, grenzenlose Freiheit! Mühelos meisterte Lukinov das umfangreiche, fast zweistündige Konzertprogramm und bot seinen Zuhörern ein ehrliches, stimmiges und positives Gesamtkunstwerk.

Viel Applaus für ein außergewöhnliches Musikprojekt und einen sympathischen Künstler mit faszinierender Bühnenpräsenz! Konstantin Lukinov verabschiedete sich von seinem begeisterten Publikum mit drei Zugaben: Scherzo no. 2, op. 31, Nocturne cis moll op. posthum und schließlich dem Grande Valse Brilliante Es-Dur, op. 18."

Weilburger Tageblatt, 14.06.2010

"Dies tat der 20-Jährige in Moskau geborene Konstantin Lukinov, der auf internationalen Podien mit mehren Preisen ausgezeichnet wurde. Mit souveräner Haltung und brillierendem Spiel zeichnet er sich in der "Kreisleriana" aus den Fantasien für Klavier von Schumann als äußerst begabter Jungpianist aus, der seine musikalische Intelligenz und die Spontaneität der Empfindung in virtuoser Manier zu einer Einheit macht."

Rezension Berlin Recital, 09.10.2009

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"Einen faszinierenden und eindrücklichen Abend konnten die Berliner Konzertgänger erleben. Auf dem Programm standen neben den zwei Klaviersonaten op.31/1 und op.111 von Ludwig van Beethoven, Schumanns Faschingsschwank aus Wien sowie die virtuose Sonate Nr.6 von Sergej Prokofjew. Zudem begeisterte Lukinov seine Zuschauer mit zwei Zugaben. Mit der Etüde Nr.10 der Études d`exècution transcendante von Franz Liszt zeigte er nochmals virtuose Glanzleistung und verabschiedete sein Publikum in der Siloti Bearbeitung des Bach Prelude`s in h moll mit atemberaubend religiösem Tiefgang. Es war ein Konzertabend, der lange in Erinnerung bleiben wird."

Augsburger Allgemeine, 17.10.2008

"Volles Lob auch dem erst 19-jährigen Konstantin Lukinov, der Lika bei seiner Winterreise ein sehr sensibler, überaus zuverlässiger und technisch hervorragender Begleiter war. Lukinov studiert zurzeit an der Musikhochschule in Frankfurt und hat trotz seiner Jugend schon reiche Bühnenerfahrung bei Soloauftritten und Wettbewerben. Auch von Lukinov wird man künftig mehr und mehr auf den Konzertpodien hören und der reichliche Applaus des Publikums am Schluss der Winterreise gehörte zu gleichen Teilen auch ihm."

Münchner Merkur, 20.04.2008

Foto: Leder

"Der schwungvolle Urgroßvater aller Klavierkonzerte, Bachs d-moll Konzert BWV 1065, wurde unter den Händen des jungen Konstantin Lukinov zu einem erstklassigen Genuss. Dieser brachte die Inständigkeit des mitreissenden Ductus des 1. Satzes ohne künstliche Hektik zum glänzen, warm und nachdenklich die verschleierte, rezitativische Poetik des mit musiklalischen Heiligenschein bekränzten Adagio hervor. Klarste Gestaltung und Tonführung zeichnete Lukinov zur motorischen Entschlossenheit des finalen Allegro, in welchem Remineszensen an die Toccata und Fuge d-moll geisterhaft aufblitzen." 

Münchner Merkur, 20.04.2008

"Konstantin Lukinov, Klavier, und Alexej Aslamas jun., Violine, stürzten sich mit Inbrunst in die virtuose Entfaltung dieses Werkes, das über weite Strecken wie eine Violinsonate mit Orchesterbegleitung erscheint. Nach kurzem aber spannungsgeladenem Fugato beginnt der Reigen von mal ernst bewegten, mal wild tanzenden und auch lyrisch schwelgenden Episoden, welche den 2 Solisten „Sturm und Drang" ermöglichen. Das betörende Adagio lässt eine schumannsche Liedmelodie, „Wehmut", Nr. 9 aus dem Liederkreis, als Themenkopf aufleuchten, erst vom Orchester dann von Violine und Klavier in ruhiger Langsamkeit dahingleitend ausgekostet. Im finalen Allegro molto überbieten sich Konstantin Lukinov und Alexej Aslamas jun. in Passagen perlender Akrobatik, nur in kurzen, in sich gekehrten Rastmomenten aufatmend, um dann im aufwühlend bewegten Rausch der Musik fortzufahren. Ein Konzertabend von besonderer Qualität für den „Freundeskreis für die Förderung junger Musiker", ein Genuss für alle die fähig sind sich an Musik und deren jungen Interpreten zu begeistern." 

klassik.com, 06.05.2007

"Konstantin Lukinov, der Liszts Rhapsodie Espagnolde` auf atemberaubende Art und Weise spielte, kraftvoll männlich sowie technisch perfekt. Hans von Bülow soll der beste Interpret dieses Stücks gewesen sein, zudem hat er mit Liszt zusammen dieser Komposition den letzten Schliff gegeben. Beide wären sicherlich mit Lukinovs Interpretation zufrieden gewesen."

Donaukurier, 25.07.2006

"Der mehrfache Sieger des Bundeswettbewerbs Jugend musiziert, Konstantin Lukinov, hatte ebenfalls Schumann auf sein Programm gesetzt - und ging doch ganz anders mit dem Komponisten um. Die Noveletten Nr. l und 8 steckte er in ein enges formales Gerüst. Jeder Ton, jede Emotion, jede Anschlagsnuance ist bei ihm genau kalkuliert, große Emotionen kommen wie vom Reißbrett. Das ist ungeheuer faszinierend."